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Ergonomischer Arbeitsplatz - gesunde Näherinnen
Durch ergonomische Verbesserungen an Näharbeitsplätzen kann der Gesundheitsschutz für betroffene Näherinnen deutlich verbessert werden.
Dies zeigt das Ergebnis eines gemeinsamen Forschungsprojekts von Textil- und Bekleidungs-Berufsgenossenschaft (TBBG) und Lederindustrie-Berufsgenossenschaft (LIBG) in Zusammenarbeit mit dem Berufsgenossenschaftlichen Institut für Arbeitsschutz (BIA) und der Fachhochschule München. Durch eine Kooperation der beiden Berufsgenossenschaften konnte dieses Forschungsprojekt zur Bestimmung und Bewertung von Belastungen auf das Muskel- und Skelettsystem bei der Arbeit, am Beispiel der Näharbeitsplätze, auf den Weg gebracht werden. Das Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchung ist eindeutig:
Bei entsprechender Umrüstung der Näharbeitsplätze werden

•  Schultern und Arme entlastet,
•  Zwangshaltungen reduziert, wobei freie Wahl zwischen Sitzen und Stehen
   ermöglicht wird und
•  die Sicht auf die Nähstelle verbessert.

Dadurch können Erkrankungen von Wirbelsäule und Bewegungsapparat vorgebeugt und ein ermüdungsfreieres Arbeiten gewährleistet werden.

  Ermittlung und Auswertung von Muskel- und Skelettbelastungen bei der Arbeit; am Beispiel des Näharbeitsplatzes (pdf)
eine Initiative von:      
     
     

Technik soll sich dem Menschen anpassen und nicht umgekehrt
In vielen Industriezweigen und Handwerksbereichen sind Näharbeitsplätze zu finden; z. B. in der Lederindustrie, in der Textil- u. Bekleidungsindustrie, in Polstermöbelfabriken, Polstereien, Sattlereien, Autosattlereien, Kofferfabriken, bei der Kleinlederwarenherstellung, im Raumausstatterhandwerk, bei Fahrzeuginnenausstattern, Schuhfabriken und Schneidereien.

Oft sind die entsprechenden Arbeitsplätze ergonomisch ungünstig gestaltet. Es herrscht Raumnot, z. B. im Fuß- und Beinraum, es entstehen Zwangshaltungen, die Schultern, Arme und Wirbelsäule stark beanspruchen. Weiter fallen ergonomisch schlecht dimensionierte Arbeitsmittel auf. Leider hat die Anpassung des Menschen an die Arbeitssituation häufig Vorrang vor der Anpassung der Technik an den Menschen.

Klinische Untersuchungen von Näherinnen mit Schulter/Nacken-Beschwerden ergaben eine Vielzahl von unterschiedlichen Befunden: Nervenreizungen, Muskelverspannungen, Gelenkveränderungen, Sehnenveränderungen etc. Mit den Risikofaktoren industrieller Nähtätigkeit, insbesondere der Beanspruchung des Muskel- und Skelettsystems beschäftigten sich bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien. Alle Autoren kommen zu der Erkenntnis, dass eine nachgewiesene Beziehung zwischen näharbeitsplatztypischen Belastungen und näharbeitsplatztypischen Erkrankungen und Beschwerden besteht. Die Folge sind körperliche Belastungen, die zu einer Verminderung der Produktivität, zu Ausfallzeiten und Erkrankungen führen.

Forschungsprojekt "Ergonomie an Näharbeitsplätzen"
Ziel der Forschungsarbeit, die vom Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften unterstützt und gefördert wurde, war es, die Belastungen auf das Muskel - und Skelettsystem der Näherinnen zu messen und durch ergonomische Verbesserungen am Arbeitsplatz Abhilfe zu schaffen. Durch ein vom BIA entwickeltes Mess- und Bewertungsverfahren (CUELA) können die Verbesserungen am Arbeitsplatz dokumentiert werden. Ein ergonomischer Vergleich zwischen Ist- und Soll-Zustand wurde vorgenommen. Der Zusammenhang zwischen ergonomischer Verbesserung und Verminderung der körperlichen Belastung lässt sich dadurch anschaulich zeigen. Durch die Fachhochschule München wurden parallel dazu Beanspruchungsparameter aufgenommen. Dafür wurden elektromyografische Messungen an ausgewählten Muskelgruppen bei der Arbeit durchgeführt und gleichzeitig die Herzfrequenz erfasst. Zusätzlich wurden noch Umgebungsfaktoren wie Beleuchtungsstärke, Leuchtdichte, Luftgeschwindigkeit aufgenommen und Lärmmessungen durchgeführt. Dazu standen geeignete Versuchs- und Musterarbeitsplätze in den Gewerbszweigen der Textil- und Bekleidungsindustrie und der Lederindustrie zur Verfügung.